Gallery Weekend: informelles Kulturzentrum neben Kulturforum

Das Berliner Kulturforum ist auch Katalysator für eine lebendige Kulturszene in der unmittelbaren Nachbarschaft. Ob das so geplant war oder sich einfach so entwickelt hat, lässt sich nicht sagen, aber die benachbarte Potsdamer Straße mausert sich zum Hotspot für Galerien und Ateliers allerersten Ranges.

Fußläufig zur Neuen Nationalgalerie fand auch 2018 wieder das inzwischen äußerst beliebte Gallery Weekend im April statt, bei dem die Potsdamer Straße einen der Schwerpunkte bildet. Zahlreiche Galerien und Ateliers öffnen dort ihre Pforten für die Berliner, Kunstinteressierte und auch professionelle Akteure der Kunstszene. Eine tolle Ergänzung zu den Museen im Berliner Kulturforum.

Diese Entwicklung ist alles andere als selbstverständlich. Die Potsdamer Straße, im Berliner Volksmund “Potse” genannt, galt als einigermaßen berüchtigter Schauplatz organisierter Kriminalität und Rotlichtviertel.

Doch spätestens seit die renommierte Blain|Southern Gallery ihr Quartier auf dem ehemaligen Tagesspiegel-Gelände bezogen hat, steht die Bedeutung der bunten Kunstszene in unmittelbarer Nachbarschaft zum Berliner Kulturforum außer Frage. Gerade beim Gallery Weekend fühlt sich der Besucher nicht nur durch die internationalen Gäste an New York erinnert.

Im Unterschied zum bislang gesetzt wirkenden Betrieb des Berliner Kulturforums mit seinen festen Traditionen lebt die Kunstszene in der Potsdamer Straße von Projekten, Improvisation und vom raschen Wandel. Dazwischen gibt es noch eine ursprüngliche Kneipenkultur, wie das “Kumpelnest 3000”, die noch nicht von der Gentrifizierung erfasst wurde, auch wenn die einstigen Kämpfe zwischen Hausbesetzern und Polizei hier Geschichte sind.

2006 begann der Aufstieg dieses informellen Kulturzentrums neben dem Berliner Kulturforum, als junge Galeristen den alten Westen wieder entdeckten. Dies alles fand ohne große Schlagzeilen statt.

Bis heute hat dieses Zentrum der Kunstszene außerhalb des Gallery Weekends den Charakter des Verborgenen. Besucher der jährlichen Veranstaltung können eine regelrecht abenteuerliche Entdeckungsreise durch ehemalige Industrieareale und Hinterhöfe und ehemalige Wohnungen unternehmen, um zu den einzelnen Galerien und Projekträumen vorzudringen.

Für den Kulturstandort bieten sich Chancen durch Synergien und die im Zuge der Neugestaltung des Kulturforums angedachte veränderte Verkehrsführung der Potsdamer Straße, mit der man Forum und Galerienstandort besser verbinden könnte.