Koloniale Provenienz: das schwierige Erbe der Museen

Nicht nur das Humboldtforum als weiteres künftiges Kulturforum in Berlin beschäftigt sich mit einem grundsätzlichen Problem, das derzeit Kulturforen und Sammlungen erschüttert: Seit mehreren Jahren gibt es eine Diskussion darüber, wie man mit Sammlungen als kolonialem Erbe umgehen muss. Diese Diskussion macht auch vor dem Berliner Naturkundemuseum nicht halt.

Ein Workshop zur kolonialen Provenienz an der TU in Berlin im September 2018 stellt die Frage, wie sehr auch die naturkundlichen Sammlungen durch ihre Geschichte belastet sind. Der Titel “Politics of Natural History” klingt erst mal harmlos, doch das Thema erwies sich als überaus ernst.

Schon der Untertitel, der danach fragt, wie man die Museen dekolonisieren könnte, verwies auf ein Thema von großer Tragweite, denn am Ende könnte sogar die Schließung von Museen oder Sammlungen stehen, so eine radikale These während des Workshops.

Um diesen Gedanken zu verstehen, ist ein Blick auf ein dem Workshop vorausgegangenes Forschungsprojekt wichtig. Dabei geht es um die beim Publikum überaus beliebten Dinosaurierknochen am Museum für Naturkunde Berlin. Sie kamen als Ergebnis einer 1909 begonnenen Expedition im damaligen Deutsch-Ostafrika nach Berlin.

Die Fundstelle war damals von den Deutschen zu “herrenlosem Land” erklärt worden und wurde vereinnahmt. Faktisch war das eine Enteignung der lokalen Bevölkerung, die auch unter Vertreibungen litt. Aus heutiger Sicht geschah Unrecht, woran auch die damalige Museumsverwaltung Mitverantwortung trägt. In Zukunft soll auf diesen Kontext hingewiesen werden.

Wie allerdings der Workshop zeigte, hat der Prozess des Umdenkens gerade erst begonnen, denn dieses Projekt über die Herkunft der Dinosaurierknochen ist eher die Ausnahme. Rückgabeansprüche aus den ehemaligen Kolonialländern werden oft mit dem Hinweis auf “Naturerbe” zurückgewiesen.

Doch in den Kulturforen und Naturkundemuseen könnte sich bald ein noch viel weitreichenderer Konflikt als der um Besitzansprüche entfachen: Mit dem wachsenden Bewusstsein für den kolonial geprägten Hintergrund vieler Sammlungen stellt sich auch die Frage nach der Deutungshoheit über die Exponate.

Hinter der didaktischen Einordnung findet sich manchmal eine christliche Symbolik. Das ursprüngliche Wissen der Eingeborenen wurde unterdrückt. Auch das soll sich nun ändern.

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