Das Berliner Kulturforum – mehr als ein Kulturzentrum

Wenn wir an das Kulturforum einer Stadt oder gar einer Nation denken, haben wir als Erstes einen Veranstaltungsort oder eine museale Einrichtung als Kulturzentrum vor Augen. Doch das Berliner Kulturforum ist in jeder Hinsicht ein Beispiel dafür, wie weit der Begriff Kulturforum gefasst werden kann.

Einst als Leuchtturm der City West in Randlage der geteilten Stadt von dem berühmten Architekten Hans Scharoun geplant, spiegelt das Berliner Kulturforum heute selbst den Charakter dieser einzigartigen von der Geschichte bewegten Metropole: es ist keine homogene Anlage, es wirkt geradezu unruhig und unvollkommen, zugleich lebendig und in der Zeit stehen geblieben.

Es ist als Ausstellungsort und kulturelle Begegnungsstätte von enormer internationaler Bedeutung und zugleich spiegelt es auch die städtebaulichen Irrtümer und Umbrüche Berlins.

Am ehesten lässt sich das Areal als ein Raum bezeichnen, denn fast jeder verbindet etwas anderes damit. Musikliebhaber finden hier die Heimat der weltberühmten Berliner Philharmoniker mit dem für seine ausgezeichnete Akustik bekannten Gebäude, der Philharmonie. Freunde zeitgenössischer Kunst denken zuallererst an die von Mies van der Rohe 1965 bis 1968 gestaltete Neue Nationalgalerie am Kulturforum Berlin, die mit ihren bahnbrechenden Ausstellungen immer wieder Besucher aus aller Welt nach Berlin lockt.

Doch auf dem weiten Gelände, das im Norden vom Großen Tiergarten und im Osten vom Potsdamer Platz sowie von zahlreichen Botschaften im Westen eingerahmt wird, können Touristen und Kulturinteressierte ein breit gefächertes Angebot entdecken: Das neueste Bauwerk ist die Neue Gemäldegalerie, die den Reigen der Staatlichen Museen an diesem Standort ergänzt.

Als Ausstellungsort beherbergt das Kulturforum das Kunstgewerbemuseum, das Musikinstrumentenmuseum und das Kupferstichkabinett. Besonders für Studierende sind die Neue Staatsbibliothek und die Kunstbibliothek wichtige Anlaufstelle. Das Ibero-Amerikanische Institut hat hier seinen Platz ebenso wie das Wissenschaftszentrum.

Inmitten der modernen Architektur gibt die St. Matthäuskirche dem Kulturforum eine besondere Note. Gerade diese Vielfalt und vielleicht auch insbesondere der Eindruck von Unvollkommenheit zeigen auf besondere Art, was ein Kulturforum sein kann, denn dieses Berliner Kulturzentrum weckt, wie die sich ständig verändernde Stadt, die Neugierde auf das Kommende.