Dirigentenwechsel bei den Berliner Philharmonikern

In diesem Sommer ging eine Ära bei den Berliner Philharmonikern zu Ende. Der britische Stardirigent Sir Simon Rattle gab im Juni sein Abschiedskonzert. Seit 1987 war er Mitglied des berühmten Ensembles und übernahm 2002 die künstlerische Leitung sowie den Posten des Chefdirigenten von Claudio Abbado.

Der Brite, der einst Schlagzeuger war, wechselt zum London Symphony Orchestra, wird aber der deutschen Hauptstadt weiterhin erhalten bleiben. Er wird mit seiner Familie nicht nur seinen Hauptwohnsitz in der Spree-Metropole behalten, sondern auch weiterhin Orchester- und Opernaufführungen leiten. In seiner 16-jährigen Tätigkeit als Chefdirigent leitete der 63-jährige nicht nur rund 1.100 Konzerte, er veränderte auch organisatorische Strukturen, wie geschehen durch die Gründung der Stiftung Berliner Philharmoniker. Seine Ära war auch von einer aktiven Öffentlichkeitsarbeit geprägt. Multimediale Übertragungen, die Gründung eines eigenen CD-Labels und die Übernahme der Patenschaft des Bundesjugendorchesters waren Meilensteine in der Geschichte des Orchesters. Aus Protest gegen die geplante Schließung des Europäischen Jugendorchesters ließ er auch schon mal Beethovens Ode an die Freude mittendrin abbrechen.

Als weltweit einziges Orchester können die Berliner Philharmoniker ihren Chefdirigenten selbst in einer Art Konklave wählen. Die Wahl fiel auf den russischen Maestro Kirill Petrenko, bis zuletzt Leiter der bayerischen Staatsoper.

Ganz im Gegensatz zu seinem Vorgänger gibt er keine Interviews und gilt als Probenfanatiker und sehr detailversessen. Der 43-jährige Russe debütierte bereits als elfjähriger Pianist im Orchester seiner Geburtsstadt Omsk in Sibirien. 1990 zog er mit seiner Familie nach Österreich, wo er mit 25 Jahren Kapellmeister der Wiener Volksoper wurde. Ab 2001 folgten Debuts an zahlreichen berühmten Opernhäusern dieser Welt wie Wien, London, Paris, New York oder Barcelona. Von 2002 bis 2007 war er Generalmusikdirektor an der Komischen Oper Berlin. Ab 2013/14 wurde er von der Bayerischen Staatsoper zum Generalmusikdirektor berufen. Auch auf dem “Grünen Hügel” bei den Bayreuther Festspielen versetzte er Wagner-Fans mit seiner “Ring”-Interpretation in einen Glückstaumel.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *