Detektivspiel im Kupferstichkabinett: Rembrandts Schüler im Berliner Kulturforum

Eine besonders sehenswerte Ausstellung im Jahr 2018 präsentiert das Kupferstichkabinett auf dem Berliner Kulturforum. Ihr kurioser Hintergrund lädt die Besucher gleichermaßen zum Detektivspiel ein. Es geht nämlich um das Erkennen von Original und Nachahmung.

Keinem Geringeren als dem großen holländischen Meister Rembrandt wurden lange etliche Zeichnungen zugeschrieben, die in Wahrheit seinen etwa fünfzig Schülern zugeordnet werden müssten. Da aber auch schon lange vor der modernen Zeit ein Markenname auf dem Produkt mehr bringt als ein Unbekannter, ging die Nachwelt oft recht nachlässig mit der Urheberschaft um.

Tragisch für einige durchaus begabte Rembrandt-Schüler, denn die Folge war, dass sie selber schlichtweg in Vergessenheit gerieten. Der Rembrandt-Experte Holm Bevers machte sich nun auf geradezu kriminalistische Spurensuche, um vermeintliche Originale zu entlarven und Rembrandts Schülern späte Gerechtigkeit zuteil werden zu lassen.

Bis November 2018 zeigt das Kupferstichkabinett noch die Ausstellung “Aus Rembrandts Werkstatt. Zeichnungen der Rembrandtschule”. Dazu gibt es auch einen Bestandskatalog zu kaufen. Die Ausstellung ist auch ein eindrucksvolles Beispiel für die kunstgeschichtliche Arbeit, die von den Institutionen im Berliner Kulturforum geleistet wird.

Besucher können dabei die Detektivarbeit nachvollziehen. Denn es gibt keine unwiderlegbare naturwissenschaftliche Beweisführung, mit der man ein vermeintliches Werk Rembrandts als Produkt eines Epigonen identifizieren könnte.

Es kommt auf das geschulte Sehen und Fachkenntnis an. FAZ Feuilleton Redakteur Stefan Trinks machte in einem Artikel zur Ausstellung im Berliner Kulturforum auf eine ganz besondere Pointe aufmerksam: Man erkennt den Meister besonders daran, dass er sich nicht so ganz an die Regeln hält.

Die Zeichnungen der Meisterschüler würden oft homogener wirken, während Rembrandt subtiler ist. Seine Kompositionen wirken manchmal fast zerrissener. Der Experte hat also die ganz besondere einzigartige Handschrift Rembrandts entschlüsselt.

So kommt es nun, dass einige Werke nicht mehr Rembrandt selber zugeordnet werden, sondern ganz bestimmten Schülern. Man nimmt dabei auch die Konsequenz in Kauf, dass sie an Wert verlieren. Manche Bilder bleiben auch ganz ohne Verfasser.

Der Besucher hat die seltene Möglichkeit, hier durch das Vergleichen selber das Sehen von Bildern zu trainieren.

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