Berlin bekommt mit Humboldt Forum ein zweites großes Kulturforum

Die Eröffnung des Humboldt Forums im wiederaufgebauten Berliner Stadtschloss rückt näher. Schon seit einiger Zeit haben die ethnologischen Sammlungen in Dahlem ihre Pforten geschlossen. Unter Leitung des renommierten Museumsmanns Neil MacGregor wird ein völlig neues Konzept für ein Museum entwickelt.

Ähnlich wie das Berliner Kulturforum soll auch dieser Standort einen lebendigen, dynamischen Charakter haben. Im Unterschied zum angestammten Kulturforum wird es im Humboldt Forum aber einen kompletten Neuanfang geben.

Bereits 2016 haben Kulturstaatsministerin Monika Grütters und Neil MacGregor den hohen Anspruch des Humboldt Forums als Querschnitt der Menschheitsgeschichte formuliert.

Ihr Ausgangspunkt sind dabei die Namensgeber, die Brüder Wilhelm und Alexander von Humboldt. Sie verstanden sich nicht nur als Universalgelehrte, sondern nahmen als Gegner von Kolonialismus auch politische Positionen ein. Deshalb widmet sich auch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz im Zusammenhang mit dem Neustart der Provenienzforschung bei den Exponaten.

Wichtig ist also die Frage der Herkunft. Diese wird sich nicht bei jedem Exponat klären lassen. Auf jeden Fall wird großes Augenmerk auf den historischen Kontext gelegt. Insbesondere die dunklen Kapitel der Kolonialgeschichte, wie dem unheilvollen Wirken deutscher Kolonialtruppen in Afrika, sollen nicht ausgeklammert werden.

Doch viele Konfliktthemen lassen sich nicht so einfach auflösen. So ist die aufgezeichnete Stimme eines Medizinmannes der Navajo aus den Dreißiger Jahren nach deutschem Recht völlig unproblematisch, aus Sicht der Indianer aber ein Sakrileg. Die Hoffnung, die mit dem Humboldt Forum verbunden wird, ist, dass es auch ein Ort des gemeinsamen Forschens wird.

Die große Vision hinter dem Humboldt Forum ist aber vor allem die Öffnung des Blicks für große Zusammenhänge. Daher soll das neue Museum auch kein Solitär sein, sondern es ist eine stärkere Vernetzung mit anderen Museen und Berliner Institutionen geplant.

Grütters verspricht einen Kulturort “neuen Typs” mit Filmen, Musik, Aufführungen und einer ausgewogenen Mischung aus Dauer- und Wechselausstellung, in der auch Bestände anderer Berliner Museen zum Zug kommen.

Der Ansatz klingt gut. Nur so kann der große Wurf gelingen, einen messerscharfen Blick in die Menschheitsgeschichte zu werfen.

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