Eine Verspätung, die zum Glücksfall werden könnte

Als Kulturstaatsministerin Monika Grütters im August 2018 bekannt gab, dass sich die Eröffnung des geplanten Museums der Moderne auf dem Berliner Kulturforum verzögern werde, schien es, als ob nun das dieses Kulturforum Schauplatz des nächsten Bauärgernisses werden würde. Denn spätestens seit 2012 hat der Ruf der deutschen Hauptstadt als Baumeister durch das Desaster mit dem neuen Berliner Flughafen Schaden genommen, und nun schien sich schon vor Baubeginn des Museums der Moderne neues Ungemach anzukündigen. In diesem Fall könnte die Verzögerung jedoch ein Glücksfall sein, denn es bietet sich dadurch die Chance, voreilige Entscheidungen zu überdenken und eine Planung auf die Beine zu stellen, die für das Kulturforum insgesamt ein großer Gewinn sein könnte.

Das “M20”, wie das Museum der Moderne auch genannt wird, ist das Ergebnis eines Architektenwettbewerbs, welcher der Öffentlichkeit in einer eigenen Ausstellung als Berliner Museum Der Moderne präsentiert wurde. Eine der Folgen war typisch für die Bundeshauptstadt: Die Berliner, denen originelle Assoziationen immer schnell auf der Zunge liegen, hatten sogleich Vergleiche für den Entwurf wie “Aldi”, “Bahnhofshalle” und “Scheune” parat.

Tatsächlich wirkt das Modell der rechteckigen Halle mit ihrem Giebeldach fast wie eine Lagerstätte, was die Schweizer Architekten Herzog & de Meuron, welche für ihren Entwurf den Zuschlag bekamen, gar nicht in Abrede stellen wollten. Aber es gab auch ernsthafte Kritikpunkte wie der Schutz einer alten Platane und der Umstand, dass der neue Museumskoloss zu nahe an die St.-Matthäus-Kirche heranrückte und diese fast erdrücken könnte.

Eine Expertenkommission wurde den Schweizer Stararchitekten zur Seite gestellt. Sie musste das Budget der Bundesregierung neu berechnen, und es zeigte sich, dass die Halle insgesamt besser in die Infrastruktur des Berliner Kulturforums eingepasst werden musste. Schnell wurde deutlich, dass die Halle um 18 Prozent zu verkleinern war. Der ursprüngliche Wettbewerbsentwurf erforderte deshalb eine gründliche Überarbeitung.

Aber, so “Die Zeit”, nun denke man zum Glück nicht mehr nur über den geplanten Neubau nach, sondern darüber, wie die Qualität des Berliner Kulturforums insgesamt gesteigert werden könne.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *